24-Stunden-Betreuung: Modelle
Kosten & Recht
Bei der sogenannten 24-Stunden-Betreuung lebt eine Betreuungskraft im Haushalt der pflegebedürftigen Person und unterstützt sie im Alltag. Der Begriff ist irreführend, denn rund um die Uhr darf niemand arbeiten. Die Kosten liegen 2026 meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro.
24-Stunden-Betreuung
Viele Familien wünschen sich, dass ein pflegebedürftiger Angehöriger zu Hause bleiben kann, auch wenn der Betreuungsbedarf hoch ist. Eine Möglichkeit ist die sogenannte 24-Stunden-Betreuung: Eine Betreuungskraft, häufig aus dem europäischen Ausland, zieht in den Haushalt ein und übernimmt Aufgaben, die sonst Angehörige leisten würden. Einen Überblick über alle Pflegeformen finden Sie auf der Seite zu den Pflegearten. pflegede.com erklärt Ihnen alles verständlich und ehrlich.
Was bedeutet 24-Stunden-Betreuung?
Der Begriff hat sich umgangssprachlich eingebürgert, ist rechtlich aber irreführend. Keine einzelne Betreuungskraft darf 24 Stunden am Tag arbeiten — das verstößt gegen das Arbeitszeitgesetz. Gemeint ist eine Betreuung in häuslicher Gemeinschaft: Die Betreuungskraft lebt im Haushalt und ist bei Bedarf ansprechbar. In der Praxis arbeitet sie im Rahmen der gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten. Das unterscheidet sie von einem ambulanten Pflegedienst, der nur stundenweise kommt.
Welche Aufgaben übernimmt eine Betreuungskraft?
Hauswirtschaft Kochen, Einkaufen, Reinigen und Wäsche.
Unterstützung im Alltag Hilfe bei Körperpflege, Ankleiden und Mobilität — soweit vereinbart.
Soziale Betreuung Gespräche, Spaziergänge, Beschäftigung und Tagesstruktur.
Begleitung Zu Arztterminen oder Behördengängen.
Die drei rechtlichen Modelle
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Entsendemodell Häufigster Weg
Die Betreuungskraft ist bei einem Unternehmen im Heimatland angestellt und wird nach Deutschland entsandt. Eine Vermittlungsagentur organisiert den Einsatz. Für Familien meist der einfachste Weg, da kein Arbeitgeberaufwand entsteht und bei Ausfall schnell Ersatz kommt.
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Arbeitgebermodell
Die Familie stellt die Betreuungskraft direkt an und übernimmt alle Arbeitgeberpflichten — also Sozialabgaben, Lohnfortzahlung und Urlaub.
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Selbständige Betreuungskraft Rechtlich heikel
Die Kraft rechnet selbständig ab. Dieser Weg ist rechtlich heikel, weil eine Scheinselbstständigkeit drohen kann.
Was rechtlich gilt
- Deutsches Arbeitsrecht Es gelten Mindestlohn, Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten.
- Mindestlohn 2026 Seit 1. Januar 2026: 13,90 €/Stunde — ab 1. Januar 2027: 14,60 €.
- Bereitschaftszeiten zählen Sie gelten als Arbeitszeit und müssen vergütet werden (BAG 2021).
- Keine Rund-um-die-Uhr-Arbeit Durch eine einzelne Person rechtlich nicht zulässig.
Was kostet die 24-Stunden-Betreuung?
Wie hoch der Betrag ausfällt, hängt vor allem von den Deutschkenntnissen der Betreuungskraft, ihrer Erfahrung und dem Betreuungsaufwand ab. Hinzu kommen freie Kost und Logis (eigenes Zimmer + Verpflegung) sowie etwas höhere Lebenshaltungskosten. Bei hohem nächtlichem Bedarf reicht eine einzelne Kraft nicht aus — dann sind ein Wechselmodell oder zusätzliche Hilfe nötig.
Was trägt die Pflegekasse bei?
Es gibt keine eigene Leistung speziell für die 24-Stunden-Betreuung. Sie lässt sich aber mit mehreren Leistungen finanzieren:
- Pflegegeld Ab Pflegegrad 2, da die Betreuung als häusliche Pflege gilt.
- Verhinderungs- & Kurzzeitpflege Gemeinsamer Jahresbetrag bis 3.539 € überbrückt Wechsel oder Ausfälle.
- Entlastungsbetrag 131 € pro Monat für anerkannte Unterstützungsangebote.
- Steuervorteil Haushaltsnahe Dienstleistungen nach §35a EStG absetzbar.
Für wen eignet sich die 24-Stunden-Betreuung?
Die 24-Stunden-Betreuung passt gut, wenn eine Person nicht mehr allein leben sollte, aber zu Hause bleiben möchte und keine ständige medizinische Überwachung braucht. Bei sehr hohem oder durchgehend nächtlichem Betreuungsbedarf — etwa bei einer ausgeprägten Weglauftendenz bei Demenz oder intensivem Pflegebedarf — stößt das Modell an seine Grenzen. Dann können eine stationäre Pflege oder ein spezialisierter Pflegedienst die bessere Lösung sein.
Häufige Fragen zur 24-Stunden-Betreuung
Arbeitet die Betreuungskraft wirklich 24 Stunden?
Ist die 24-Stunden-Betreuung legal?
Zahlt die Pflegekasse die 24-Stunden-Betreuung?
Darf die Betreuungskraft Medikamente geben oder Wunden versorgen?
Die 24-Stunden-Betreuung kann pflegebedürftigen Menschen ein Leben im eigenen Zuhause ermöglichen — auch bei höherem Betreuungsbedarf. Wichtig sind ein legales Modell (am besten Entsendung mit A1-Bescheinigung), faire Arbeitsbedingungen und die Einbindung eines Pflegedienstes für medizinische Aufgaben. Wer die Leistungen der Pflegekasse kombiniert, kann den Eigenanteil deutlich senken.
Die Angaben beruhen auf den folgenden offiziellen und fachlichen Quellen. Stand der Prüfung: Juni 2026.
- Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 24. Juni 2021, Az. 5 AZR 505/20 (Mindestlohn für Bereitschaftszeiten in der häuslichen Betreuung).
- Bundesministerium der Justiz: Arbeitszeitgesetz (ArbZG), §§3 und 5 — gesetze-im-internet.de (abgerufen am 24. Juni 2026).
- Bundesministerium der Justiz: Mindestlohngesetz (MiLoG), §1 — gesetze-im-internet.de (abgerufen am 24. Juni 2026).
- Bundesgesundheitsministerium: Pflege zu Hause — bundesgesundheitsministerium.de (abgerufen am 24. Juni 2026).