Ablauf, Module & Tipps

MDK-Begutachtung vorbereiten

Bei der Begutachtung kommt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes zu Ihnen nach Hause und bewertet die Selbstständigkeit in sechs Bereichen. Das Modul Selbstversorgung zählt mit 40 Prozent am stärksten. Eine gute Vorbereitung mit Pflegetagebuch und Unterlagen ist entscheidend für das Ergebnis.

45–60 Minuten
6 Module
Pflegetagebuch
Pflegebedürftige Frau und Angehörige bereiten zu Hause Unterlagen und Pflegetagebuch für die MDK-Begutachtung vor. Hausbesuch
Bei der Begutachtung kommt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes zu Ihnen nach Hause und bewertet die Selbstständigkeit in sechs Bereichen. Das Modul Selbstversorgung zählt mit 40 Prozent am stärksten. Eine gute Vorbereitung mit Pflegetagebuch und Unterlagen ist entscheidend für das Ergebnis.

Wer führt die Begutachtung durch?

Wie läuft die Begutachtung ab?

Die sechs Module der Begutachtung

Diagramm der sechs Module der Pflegebegutachtung mit Gewichtung, Selbstversorgung mit 40 Prozent am stärksten.
Die Gewichtung der sechs Module — Selbstversorgung zählt mit 40 % am stärksten.

Bewertet wird die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen, den sogenannten Modulen. Aus den gewichteten Punkten ergibt sich ein Gesamtwert zwischen 0 und 100, der den Pflegegrad bestimmt. Bei den Modulen 2 und 3 zählt nur der höhere der beiden Werte.

Modul Lebensbereich Gewichtung
1 Mobilität 10 %
2 / 3 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen 15 %
4 Selbstversorgung 40 %
5 Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen 20 %
6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 15 %
Das Modul Selbstversorgung ist mit 40 Prozent am wichtigsten. Hier geht es um alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen, Essen und den Toilettengang. Schildern Sie gerade in diesem Bereich alle Einschränkungen genau.

So bereiten Sie sich auf die Begutachtung vor

  1. Pflegetagebuch führen

    Das Pflegetagebuch ist ein wichtiges Hilfsmittel — führen Sie es über etwa zwei Wochen vor dem Termin. Notieren Sie täglich, bei welchen Tätigkeiten Hilfe nötig ist, wie oft und in welcher Form (anleiten, teilweise unterstützen oder ganz übernehmen). Konkrete Notizen wie „Beim Duschen ist Hilfe beim Ein- und Ausstieg sowie beim Abtrocknen nötig" sind aussagekräftiger als „Beim Waschen geholfen". Der Gutachter nimmt das Tagebuch nicht mit, aber Sie können ihm eine Kopie aushändigen.

  2. Unterlagen zusammenstellen

    Legen Sie alle wichtigen Dokumente bereit: aktuelle Arztberichte und Diagnosen, einen aktuellen Medikamentenplan, Entlassungsberichte aus Krankenhaus oder Reha, eine Übersicht der genutzten Hilfsmittel sowie Therapiepläne, falls vorhanden. Machen Sie am besten Kopien, die Sie dem Gutachter mitgeben können.

  3. Vertrauensperson hinzuziehen

    Bitten Sie einen Angehörigen oder eine andere Vertrauensperson, beim Termin dabei zu sein. Pflegebedürftige spielen ihre Einschränkungen vor fremden Menschen oft herunter, aus Stolz oder Scham. Eine zweite Person kann den Alltag realistisch schildern und an Dinge erinnern, die sonst untergehen. Sprechen Sie vorher ab, wer was sagt.

  4. Den Alltag realistisch zeigen

    Zeigen Sie die Situation so, wie sie an einem normalen schlechten Tag ist — nicht an einem besonders guten. Beschönigen Sie nichts und übertreiben Sie nichts. Ziel des Gutachters ist es, den tatsächlichen Unterstützungsbedarf möglichst realistisch zu erfassen. Das trägt zu einer fairen Einstufung bei.

Häufige Fehler bei der Begutachtung

  • Einschränkungen herunterspielen Aus Stolz wirken viele selbstständiger, als sie sind — das führt zu einer zu niedrigen Einstufung.
  • Ohne Vorbereitung in den Termin gehen Ohne Pflegetagebuch und Unterlagen fehlen dem Gutachter wichtige Informationen.
  • Allein bleiben Ohne Begleitperson gehen oft wichtige Details verloren.
  • Nur den Ist-Zustand zeigen Schwankungen und schlechte Tage gehören genauso dazu wie gute.

Was passiert nach der Begutachtung?

Häufige Fragen zur MDK-Begutachtung

Wie lange dauert die Begutachtung?
Der Hausbesuch dauert meist zwischen 45 und 60 Minuten. Je nach Situation kann er etwas kürzer oder länger sein.
Welches Modul ist am wichtigsten?
Das Modul Selbstversorgung ist mit 40 Prozent am stärksten gewichtet. Es umfasst alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen, Essen und den Toilettengang.
Darf eine Vertrauensperson beim Termin dabei sein?
Ja, unbedingt. Eine vertraute Person, die den Alltag kennt, sollte dabei sein und den tatsächlichen Hilfebedarf ergänzen. Gutachter berücksichtigen die Angaben pflegender Angehöriger ausdrücklich.
Muss ich das Pflegetagebuch abgeben?
Nein. Der Gutachter nimmt das Pflegetagebuch nicht mit. Sie zeigen es ihm beim Termin und können ihm eine Kopie aushändigen.
Kann die Begutachtung auch telefonisch erfolgen?
In Ausnahmefällen kann die Pflegekasse eine Begutachtung nach Aktenlage nutzen. In der Regel erfolgt die Begutachtung jedoch im Rahmen eines Hausbesuchs, da dabei die Wohnsituation und die Selbstständigkeit besser eingeschätzt werden können.
Fazit

Die Begutachtung entscheidet über Ihren Pflegegrad und damit über die Leistungen, die Ihnen zustehen. Wer sich gut vorbereitet, ein Pflegetagebuch führt, die Unterlagen bereithält und eine Vertrauensperson dabei hat, geht mit den besten Voraussetzungen in den Termin. Zeigen Sie den Alltag ehrlich und vollständig.

Quellen

Die Angaben beruhen auf den folgenden offiziellen und fachlichen Quellen. Stand der Prüfung: Juni 2026.

  1. Medizinischer Dienst Bund: Begutachtung der Pflegebedürftigkeit — md-bund.de (abgerufen am 24. Juni 2026).
  2. Bundesministerium der Justiz: SGB XI, §15 Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit — gesetze-im-internet.de (abgerufen am 24. Juni 2026).
  3. Bundesgesundheitsministerium: Online-Ratgeber Pflege, Pflegebegutachtung — bundesgesundheitsministerium.de (abgerufen am 24. Juni 2026).
Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische, rechtliche oder pflegerische Beratung.